Tage am See

Sie sind das tragische Abbild meines Lebens selbst. Diese Tage am See. Diese Sommerfrische, die ich jedes Jahr aufs Neue ertragen muss. Wir kommen zusammen und verbringen hitzegetränkte Tage und schweißerfüllte Nächte als Familie. Ich weiß nicht, wann wir damit begonnen haben. Das ist das Tückische an Traditionen. Sie schleichen sich in dein Leben, machen…

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Woanders daheim sein

Bregenz, das ist sechshundert Kilometer von Wien entfernt zu sein.Das ist, an lauen Sommerabenden mit Freunden am See zu grillen.Das ist, selbst zu kochen, das ist zuhause Feste zu feiern, das ist selten essen zu gehen, niemals Essen zu bestellen.Bregenz, das ist auf den Berg zu wandern, am See zu spazieren, im See zu schwimmen.Das…

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Wer bist du?

Ich weiß nicht, wer du bist. Du sagst, man soll den Apfel Apfel sein lassen. Ich will dein überschwängliches Lachen nicht mehr hören. Du sagst, ein Apfel ist ein Apfel, nicht mehr und nicht weniger. Ich will deine eingefrorene Mimik nicht mehr sehen. Du sagst, ein Apfel ist rot. Ich kann deine Verkleidung nicht ertragen.…

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sumpfsudeln

sumpfsudelnd zirpst du zierlich so vor mir. noch mehr von dir im gewölbten quer wird es dumpf um uns kopfgeruht, stillgewartet. musst es fressen, dich mit mir messen, zerstört in die weite ungehört. sie und er hört gegen spricht, anders herum ist durchbrochenes zu viel.   © Sandra Bauer-Wagner 2018

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Kontrastprogramm

Ein Mensch in abgetragener Kleidung schlurft am Eingang des Diskontsupermarktes vorbei. Seine blau gefärbten Lippen sitzen zwischen den eingefallenen Wangen. Das Haar ruht ungeduldig auf seinem Haupt. Der schwarzhaarige Bub in Jogginghosen streckt seine Hand nach meinem Einkauf aus. Die hagere Frau im langen Kleid trägt weiße Socken zu beigefarbenen Plastikschlapfen. Ihr ausgezehrtes Gesicht hat…

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Im Wald

feuchtes Plätschern zögerlicher Wind leise die Sterne von oben ein Grollen hinterm Berg ein Lachen vor der Brücke und schon bald, sehr bald reißt uns das Leben in tausend Stücke   © Sandra Bauer-Wagner 2018

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Im Wiener Kaffeehaus

Der Handke schaut den Qualtinger an und der schaut mich an. Ich sitze an einem kleinen Tisch mit schwarzer Marmorplatte direkt neben der Eingangstür. Ein beißender Geruch liegt wieder in der Luft. Der Rauch des Vorabends klebt noch an den Wänden, steckt in den samtigen, roten Sitzbänken, vermischt sich mit Gulaschgewürz und Schnitzelpanier. Gläser klirren,…

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ohne richtung

zwischen zweifel zweifelzwicker ohne sie am rande erklärst du die Verlorenheit findet sie sich Schritt für Schritt steht dann wieder dort wo es wohl begann zwischen zweifel zweifel zwickend   Aus Nichts.Konsens. (Anthologie). Erschienen im März 2018 bei fabrik.transit. © Sandra Bauer 2017

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